
Gelöst von Thomas:
Eins dürfte ziemlich sicher sein: Horeth weiß von vornherein, welche CD gewählt wird. Wie aber sorgt er dafür?
Was sehen wir tatsächlich? 700 weiße CD-Behälter. In sehr klar aufgeteilten, wohlgeordneten Regalen mit lauter Fächern à acht CDs. Und neun unterschiedliche CDs. Die Behälter sind neutral weiß “um die Auswahl nicht durch Farbe, etc. zu beeinflussen”. Mhm. Nee, eh klar. Kein Gedanke, dass sie vielleicht weiß sein könnten, um unsere Wertschätzung des Tricks nicht zu beeinflussen. Durch die sonst zu leicht erkennbare Tatsache, dass in der linken “Spalte” jedes Regals die fünfte und die achte CD stets die gleiche ist - nämlich die von Revolverheld.
Um die angeblich zufällige Zusammenstellung der CDs zu beweisen, zeigt uns Horeth zunächst drei CDs - die ER aus dem Regal holt und auswählt. Wahrscheinlich kann er das sogar tatsächlich semi-zufällig machen, solange er nur die ersten drei CDs von links aus einem Fach vorzeigt.
Dann lässt er Ingo beliebig zunächst ein Regal und eine Reihe in diesem Regal wählen. Ingo bekommt die acht CDs aus der rechten “Spalte” des Regals in die Hand gedrückt und darf sie auf den Tisch legen. Sie spielen keine weitere Rolle. Horeth legt darauf die acht CDs aus der linken “Spalte” - bezeichnenderweise leicht schräg, sodass die Unterscheidung noch klar erkennbar bleibt (obwohl das vermutlich nicht einmal zwingend notwendig ist). Dann zeigt er die ersten drei CDs aus diesem Achterpack. Vermeintlich, um uns deren (wohl wirklich) zufällige Zusammenstellung zu beweisen. In Wirklichkeit aber, weil damit auch die schon wieder ohne viel Aufhebens aus dem Spiel genommen sind.
Was wir nun tatsächlich erleben ist, dass aus lediglich fünf CDs eine gewählt wird, durch “Stop”-Sagen. Die erste davon ist schon so gut wie aus der Hand gelegt, bis Ingo das mit dem “Stop”-Sagen überhaupt befohlen wird. Da waren’s nur noch vier. Dann tut Horeth nach dem “Stop” erstaunlicherweise nochmal ein bisschen hin und her mit der CD, die er schon ergriffen hat. Sprich: Es ist seine Entscheidung, ob beim “Stop” die eben weggelegte oder die eben in die Hand genommene (oder ggf. wohl auch die folgende) als die “Gewählte” gilt. Wenn jetzt von diesen vieren die zweite und die vierte identisch sind, dann gibt es tatsächlich, wie er anfangs ankündigt “an diesem Abend keine freie Wahl”. Und er kann sogar nochmal zwei weitere, nichtgewählte Kartons öffnen und damit “beweisen”, dass wir es mit einer Zufallswahl zu tun haben.
Nun zum wirklich erstaunlichsten Teil des Tricks: Der “Bildübertragung” zu Joy Fleming. Gehen wir einmal davon aus, dass Felming nicht einfach nur eingeweiht ist und eine Rolle spielt. Dann handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um die Aktivierung einer hypnotischen Suggestion, die ihr Horeth vor der Sendung eingepflanzt hat. Wie das genau ablief, dazu fehlt einem als bloßer Zuschauer der Sendung freilich die nötige Hintergrundinformation. Aber es ist davon auszugehen, dass Horeth Kontakt zu den Prominenten hatte und sie unter irgendeinem Vorwand hypnotisch “präparieren” konnte. Indizien dafür: Das Flackern der Augenlider bei Fleming; die ungewöhnliche Geste, die Horeth mit der Hand zu Beginn macht (und die vermutlich der Trigger für die Aktivierung der vorher eingepflanzten Suggestion ist); seine Betonung gewisser Worte (”weiß”), die wohl als auslösende Assoziationen mit dem Bild verbunden wurden. Und schließlich die Tatsache, dass Flemings Bild zwar einerseits sehr detai
lreich ist - aber andererseits ganz fundamentale Aspekte des tatsächlichen Covers überhaupt nicht richtig hinbekommt: Bildausschnitt, Perspektive, Proportionen stimmen nicht, und das auf den ersten Blick absolut dominierendste Element des Bildes, der über dem Tisch schwebende Würfel, wird falsch und viel zu klein wiedergegeben. Genau so, wie man es erwarten würde, wenn jemand ein Bild und dessen Gegenstände zwar beschrieben bekommen, es aber nie wirklich gesehen hat.
Dass Horeth bei Guilia Siegel schließlich vor der Wahl der Tracknummer ebenfalls die ungewöhnliche Handbewegung macht, deutet darauf hin, dass er auch ihr die gewünschte Zahl vorher hypnotisch suggeriert hat. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine andere Form der Suggestion (so zeigt er etwa zwei Finger, führt die Geste zweimal aus).
Alles also nicht ganz so unerklärlich, wie es im ersten Moment scheint. Aber man muss es Horeth lassen: In diesem Haufen von Schmierenkomödianten und Scharlatanen ist er allemal ein verblüffend origineller und talentierter Mentalist.